Geschichte und Kultur der Roma und Sinti

Korbflechter (Sepečides)

In den meisten Roma-Gruppen gibt es Korbflechter. Weidenruten konnte man früher praktisch überall schneiden, denn die Weiden wuchsen an jedem Bach, und die Zweige waren gratis.

Die Sepečides in Griechenland und der Türkei haben ihren Namen von diesem Beruf. Vor 1920 wanderten sie in der Umgebung von Thessaloniki in Griechenland und waren Muslime. Nach dem Griechisch-Türkischen Krieg sollten alle Muslime Griechenland verlassen und alle Christen die Türkei. Ein Teil der Roma nahm den griechisch-orthodoxen Glauben an, ein anderer Teil blieb muslimisch und wanderte in die Türkei in die Gegend von Izmir aus. Ganze Siedlungen lebten bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts vom Korbflechten. Eine der bekannesten Korbflechter-Siedlungen lag bei dem Dorf Çırpıköy. Die Männer machten die Körbe und die Frauen tauschten sie bei den Bauern gegen Gemüse, Korn und so weiter ein. Das verkauften sie dann auf dem Mark und hatten so noch einen kleinen zusätzlichen Gewinn. Nur Roma flochten Körbe, so hatten sie keine Konkurrenz, und ihr handwerkliches Können war allgemein anerkannt. Geflochtene Köbe wurden zum Aufbewahren von Nahrungsmitteln verwendet, aber auch zum Transport, weil sie leicht und luftdurchlässig waren. Große Körbe mit Lederriemen waren auch sehr gut geeignet umd schwere Gegenstände wie Holz, Metall und Steine zu transportieren.

Erst als die Plastikwaren aufkamen, die in der Fabrik hergestellt waren, mussten die Korbflechter nach und nach ihr Handwerk aufgeben. Die Plastikbehälter waren viel billiger, und hätten die Korbflechter ihre Waren zu solchen Preisen verkauft, hätten sie davon nicht leben können.

Osman Zambakli erzählt über die Sepečides in Izmir (Türkei)

„Unsere Roma flechten Körbe. Einige tragen Lasten, wir nennen sie Lastenträger. Sie tragen die Lasten der Gadže. Es gibt Roma die auf den Tabakfeldern arbeiten. Was für eine Arbeit die Roma finden, diese verrichten sie. Wir erzeugen hauptsächlich Körbe. Auf Türkisch nennen sie uns “Sepečides” (Korbflechter). Das bedeutet, dieser Beruf ist in den Dörfern nicht ausgestorben. In der Stadt Izmir selbst werden keine Körbe mehr geflochten. Körbe werden geflochten in Çirpiköy, Arapçiköy und Çaybaşı, dort können alle Roma Korbflechten. Es gibt aber auch Roma, die auf die Felder gehen und Baumwolle pflücken. Es gibt Roma, die Melonen anbauen und sie verkaufen. Die meisten Roma jedoch sind Korbflechter. Es gibt auch Roma, die Hahnenkämpfe veranstalten. Auch ich veranstalte Hahnenkämpfe. Ich habe meinen Beruf als Korbflechter aufgegeben, jetzt veranstalte ich Hahnenkämpfe. In der Stadt Izmir erzeugen die Burschen, die Männer Schuhe. Sie machen neue Schuhe. Die Türken nennen sie “Konduradžides”. Und was machen die Mädchen und die Roma-Frauen? Sie arbeiten als Bedienerinnen, sie arbeiten bei den feinen Damen. Es gibt Roma, die auf den Tabakfeldern arbeiten. Es gibt Roma-Burschen, die als Schuhputzer arbeiten. Es gibt auch einige Musiker, die Musik machen. Ja, so ist die Arbeit der Roma in Izmir.”

 

Fatma Heinschink erzählt über das Korbflechten bei den Sepečides

Die weißen Ruten kann man nicht alleine mit dem Messer bearbeiten. Man befestigt einen Pflock im Hof, nicht im Haus, spaltet diesen in der Mitte und zieht die weißen Ruten durch den Spalt, so werden sie entblättert und gehäutet. Dadurch werden sie weiß wie Kaymak-Käse. Die schwarzen Ruten werden normal behandelt, sie werden befeuchtet, denn wenn sie trocken sind, kann man sie nicht flechten. Mit den weißen Ruten verfertigen wir “seles” (Wäschekörbe) und “kabaklides” (Körbe mit Deckel). Diese sind sehr stabil. Mit den schwarzen Ruten werden “chalikes” (große Tragkörbe) hergestellt und auch Körbe für die Baumwolle erzeugt.

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