Geschichte und Kultur der Roma und Sinti

Stamm, Sippe und Familie

Oda dženo mardo, so ačiľa čoro, oda mek goreder, so hino korkoro.

“Dem geht es schlecht, der arm ist, schlechter noch geht es aber dem, der alleine ist.”

Die vielen unterschiedlichen Gemeinschaften der Roma haben viele unterschiedliche Bräuche und Eigenheiten entwickelt. Sehen wir uns als Beispiel die Traditionen der Kalderaš an. Die Gemeinschaft aller Kalderaš ist der Stamm (natia oder řasa). Doch dieser Stamm hat keinen gemeinsamen Anführer und keine gemeinsamen Gesetze. Die natia setzt sich aus verschiedenen Sippen zusammen, den vici. Eine vica ist eine Gemeinschaft von Familien, die auf einen gemeinsamen Vorfahren zurückgehen. Oft sind sie nach dem Stammvater benannt. Eine vica kann aus ein paar Dutzend Personen bestehen oder auch aus ein paar Hundert, die in verschiedenen Ländern leben. Geheiratet wird meistens innerhalb der vica, oder man heiratet jemand aus einer befreundeten vica. Wenn jemand aus der Sippe in Not gerät, helfen ihm die anderen Sippenmitglieder. Wenn ein bedeutendes Mitglied der Sippe stirbt, nimmt die ganze Sippe an seinem Totenmahl (pomana) teil. Streitfälle innerhalb der Sippe werden von einem eigenen Gericht entschieden, das kris genannt wird.

Die Sippe teilt sich in verschiedene Großfamilien. Die Bezeichnung dafür lautet cerha: Zelt. Denn früher hat sich so eine Großfamilie ein riesiges Zelt geteilt. Heute leben die meisten Kalderaš sesshaft. Ein Haushalt mit Großeltern, Eltern und Kindern wird als familija bezeichnet, ein Haushalt nur mit Eltern und Kindern heißt čeledo.

Die Gemeinschaft der Lovara ist ganz ähnlich organisiert, nur heißt die Sippe bei ihnen nipo.

Bei den Arliye wird die Sippe als prekari bezeichnet (Mazedonisch prekar heißt Spitzname).

Bei den Sinti und Manouche bilden zwei oder drei befreundete Großfamilien einen Klan. Diese Familien heiraten immer wieder untereinander. Die Familienoberhäupter leiten gemeinsam den Klan. Die Gemeinschaft aller Klans ist der Stamm („unsere Leute”).

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