Geschichte und Kultur der Roma und Sinti

Roma kommen nach Mitteleuropa

Anfang des 15. Jahrhunderts tauchten Gruppen von Roma zum ersten Mal in Mittel- und Westeuropa auf. In den Chroniken verschiedener Städte kann man Berichte darüber lesen. Die Stadtschreiber berichteten, dass Gruppen von 30, 100 oder sogar 300 Personen ankamen. Meistens hatten sie einen Anführer, der sich als Herzog oder Wojwode bezeichnete und auf einem Pferd ritt, während die meisten anderen zu Fuß gingen. Die Chronisten hoben hervor, wie fremdartig diese Menschen aussahen, dass ihre Hautfarbe dunkel war und ihre Frauen Ohrringe trugen. Die Anführer stellten sich ganz offiziell den Stadtherren vor. Sie erzählten, dass sie Pilger seien. Sie wären nämlich eine Zeitlang vom christlichen Glauben abgefallen und müssten nun zur Buße sieben Jahre lang wandern. Weil sie sagten, dass sie aus „Klein-Ägypten” kamen, hielten die Stadtschreiber sie für Ägypter. In Wirklichkeit war aber die Stadt Gyppe in Griechenland gemeint.

Diese Gruppen waren also wahrscheinlich aus Griechenland gekommen und vor dem Krieg  geflohen. Zu dieser Zeit drangen die türkischen Armeen immer weiter in die Balkanländer vor und zerstörten Städte, Dörfer und Klöster. Ganze Landstriche wurden verwüstet. In Europa gab es damals viele Pilger, die zur Buße für ihre Sünden eine Wallfahrt an einen heiligen Ort unternahmen. Und es gehörte sich, solche Pilger zu unterstüzen. Es war keine Schande, als Pilger um ein Almosen zu bitten. Vermutlich hatten die Roma schon an ihrem griechischen Aufenthaltsort christliche Pilger getroffen, die auf dem Weg ins Heilige Land, also nach Jerusalem waren. Also war es für sie eine gute Idee, selber auch auf eine Pilgerfahrt zu gehen. Es gilt als sicher, dass König Sigismund[1] selbst einer dieser Gruppen einen Empfehlungsbrief, einen sogenannten Schutzbrief, gegeben hat[2]. Ein Schutzbrief vom Papst Martin. V., der auch immer wieder vorgezeigt wurde, war aber wahrscheinlich gefälscht.

Meistens bekamen die Romagruppen Geld aus der Stadtkasse, auch Fleisch, Wein, Brot und Futter für ihre Pferde als „Almosen zu Gottes Ehre”. Oft aber war man trotzdem misstrauisch und ließ die Roma nur außerhalb der Stadt lagern und von Stadtsoldaten bewachen.

Solche Berichte gibt es aus den deutschen Städten Hildesheim, Hamburg, Frankfurt, aus den schweizer Städten Zürich, Basel und Bern,  aus Paris, aus Brüssel (heute Belgien), aus Bologna in Italien, aus  Spanien und noch einigen anderen.

Roma erscheinen vor der Stadt Bern

Roma erscheinen vor der Stadt Bern


[1] Sigismund von Luxemburg, 1368 bis 1437,  römisch-deutscher König ab 1411,  römisch-deutscher Kaiser ab 1433

[2] Und zwar während er am Konzil von Konstanz teilnahm, das von 1414 bis 1418 dauerte, und einmal im Jahr 1423

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